Zahlt die Wohngebäudeversicherung bei Wasserrückstau?

Zahlt die Wohngebäudeversicherung bei Wasserrückstau?Starkregen und Überschwemmung sorgen immer häufiger für große Schäden an Wohngebäuden. Eine häufige Frage, die wir in unserer täglichen Beratung deshalb zu hören bekommen, ist verständlicherweise: Zahlt eigentlich die Wohngebäudeversicherung bei einem Wasserrückstau? Viele moderne Tarife bieten Schäden durch Wasserrückstau im Rahmen der Naturgefahren Versicherung mit an. Als Kunden wiegt man sich damit in Sicherheit.

Dennoch hatte das OLG Hamm (Az.: 20 U 23/17) kürzlich einen Fall zu verhandeln. Es ging darum, ob es sich im verhandelten Fall tatsächlich um einen Rückstauschaden handelte oder nicht.

Der Sachverhalt – Zahlt die Wohngebäudeversicherung bei Wasserrückstau?

Im verhandelten Fall war durch Starkregen eine Dachterrasse überflutet. Aufgrund der Überlastung der Kanalisation konnte das Wasser nicht abfließen. Stattdessen suchte es sich einen anderen Weg. Das Wasser lief in das Wohngebäude hinein. Für die Versicherungsnehmerin ein klarer Fall eines Wasserrückstaus. Die Wohngebäudeversicherung habe dafür zu zahlen.

Entscheidend ist erst einmal das Bedingungswerk

Ob und in welchem Umfang die Wohngebäudeversicherung bei Wasserrückstau in diesem Fall zu zahlen hatte, ergibt sich erst einmal aus der Definition eines Wasserrückstaus. Dazu schreibt der hier betroffene Versicherer im Bedingungswerk unter §4 des betroffenen Vertrags:

ʺRückstau liegt vor, wenn Wasser durch Ausuferung von oberirdischen (stehenden oder fließenden) Gewässern oder durch Witterungsniederschläge bestimmungswidrig aus dem Rohrsystem des versicherten Gebäudes oder dessen zugehörigen Einrichtungen austritt.ʺ

Ausufernde Gewässer hatten die Überflutung der Dachterrasse zwar nicht verursacht, wohl aber der Witterrungsniederschlag (starker Regen). Dieser Punkt wäre damit erfüllt. Die Frage war nun also, ob das Wasser aus dem Rohrsystem ausgetreten war oder nicht?

Kein Austritt aus dem Rohrsystem

In erster Instanz hatte das Landgericht Bochum einen Wasserrückstau im Sinne des Bedingungswerkes erkannt und den Versicherer zu einer Entschädigungszahlung von rund 4.500 EUR verurteilt. Der Versicherer legte Berufung ein, weil es sich nach Ansicht des Wohngebäudeversicherers nicht um einen versicherten Schaden handelte. Das Abflussfallrohr der Dachterrasse und die daran anschließende Kanalisation waren wegen der starken Regenfälle überlastet. Das Wasser konnte damit von der Dachterrasse überhaupt nicht in das Abflussrohr gelangen. Es trat somit kein Wasser bestimmungswidrig aus dem Rohrsystem aus, weil es gar nicht erst hinein gelangen konnte. Stattdessen lief das Wasser direkt von der Dachterrasse ins Wohngebäude hinein.

Wie das OLG Hamm im Rahmen der Berufungsverhandlung nun feststellte, handelte es sich damit um einen NICHT versicherten Schaden.

Wie hätte man sich schützen können?

Schadensfälle sind immer sehr individuell zu betrachten. Hätte und wäre hilft den betroffenen Personen nicht weiter. Darüber hinaus schreiben viele Tarife eine funktionierende Rückstauklappe vor. Wäre diese vorhanden, würde der Schaden womöglich aber erst gar nicht auftreten. Hier hilft nur, sich das Kleingedruckte im Detail anzuschauen. Möglicherweise wäre in einem solchen Fall ein All Risk Tarife, eine Allgefahren Absicherung, die richtige Lösung gewesen. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer. So ein Tarif kostet natürlich auch in aller Regel deutlich mehr, als eine normale günstige Wohngebäudeversicherung. Wer sich dennoch beim Wohngebäudeversicherung Vergleich einen Allrisk Tarif ansehen möchte, dem empfehlen wir unseren Wohngebäudeversicherung Rechner.